Triangulation
Oekonomie
Das Lange Bruecke Prinzip
Giu Sau
Die Geradlinigkeit
Das Fließen
Der Cutting Angle
Die Kraft aus der Wendung
   
  Eine Ebene zurück
   

Das "Lang Brücken" Prinzip


Der Unterarm wird in der Wing Chun Terminologie auch als die "die Brücke" ( Kiu ) bezeichnet. Das ist so, weil das der Weg ist, der gekreuzt werden muss, um den Gegner zu erreichen. Das Kontaktaufnehmen mit dem Unterarm des Gegners ist als "(über-) Brücken" ("bridging") und Pressen oder Manipulieren bekannt. Erfolgt dies, um sich Einlaß in die gegnerische Verteidigung zu verschaffen, spricht man vom "Gehen auf der Brücke".
Innerhalb einer jeden Form des Wing Chun gibt es bestimmte Bewegungen, welche aus einer voll ausgestreckten Armposition ausgeführt werden. Dabei ist der Ellebogen nach außen gedreht und seine Position bleibt unverändert, während die Bewegung von Linie zu Linie geführt wird. Diese Bewegungen nennt man Cheong Kiu oder "Lang Brücken" Bewegungen. Der Grund für den Namen liegt darin, dass wenn man den Arm mit einem "ausgesperrten" Ellebogen bewegt, der Unterarm extra-lang zu sein scheint und das Schultergelenk den Ellebogen als Kraftzentrale unterstützt. In der Siu Leem Tau Form sind die Ding Sau, Hahng Sau und die Zweite der beiden Jut Sau Bewegungen als "Lang Brücken" Techniken gedacht.
In manchen Situationen werden "Lang Brücken" Techniken notwendig, um Zeit zu sparen und den Gegner daran zu hindern einen zu treffen, wenn der Arm ganz ausgestreckt ist, entweder wenn man schlägt, gewöhnlich aber wenn blockt oder "fängt". In diesem Moment sieht man vielleicht, wie sich eine klare gerade Linie öffnet, die in ein anderes Zielgebiet führt. Wenn man nun den schlagenden Arm zurückzieht oder sogar nur leicht zirkuliert, kann die Öffnung verschwinden oder schlimmer noch, der Gegner könnte einen während des Zurückziehens schlagen. Besitzt man nun die "Lang Brücken" Stärke Cheong Kiu Lick kann man den Arm direkt in das Ziel schießen, wobei der verbleibende Arm außen bleibt. Die Kraft kommt aus der Schulter, der Hüfte und dem Körper. Das kann man ausnutzen, wenn sich eine klare gerade Linie öffnet, indem man dieser Linie bis zum Ziel mit der schlagenden Hand folgt - die kürzeste mögliche Distanz auf der sich die Hand bewegen könnte. Dieses Prinzip bezieht sich auf Bewegungen, die von oben nach unten gehen. Wie die Hahng Sau Bewegung jedoch zeigt, läßt es sich auch auf steigende Bewegungen von unten nach oben anwenden. Zum Beispiel kann ein voll ausgestreckter Biu Sau direkt nach unten in die Schlagposition schießen ohne am Ellebogen abzuknicken. Genauso kann ein völlig "ausgesperrter" Schlag (möglicherweise ein fehlerhafter Schlag) auf eine tiefe Block- oder Schlagposition fallen, wobei er die Kraft aus der Schulter und der Hüfte bezieht. Das "Lang Brücken" Konzept kann aber auch auf Bewegungen die sich horizontal, ohne ihre Höhe zu verändern, oder diagonal, die von innen nach außen oder von außen nach innen, bewegen angewandt werden. Das Hahng Sau Prinzip kann auch so erweitert werden, dass wischende horizontale oder diagonale Handflächenstöße, mit geradem Arm, die wie ein weites Schwingen aussehen und als extreme Nahkampftechniken, um herauszugehen und die schützende Hand des Gegners zu umgehen, möglich sind.
Manchmal scheinen "Lang Brücken" Techniken sich natürlich zu wiederholen - wie der "Lang Brücken" Spatenhandstoß in der Biu Jee Form - aber bei genauerer Betrachtung kann man sehen, dass die schlagende Hand einer geraden Linie, aussgehend von ihrem Ausgangspunkt als Block oder "Falle", zu ihrer Endposition als Angriff folgt, mit Kraft, sie aus der zirkulierenden Bewegung der Schulter gewonnen hat.
Cheong Kiu Lick erfodert Übung, um sie zu entwickeln. Hat man sie aber einmal erreicht, kann sie helfen einer unglücklichen Situation Stabilität zu verleihen.